Instandhaltungstag 2017: Nutzung und Nutzen von Zustandsüberwachungsdaten — Nachlese

Mit 100 Teilnehmenden war der Instandhaltungstag 2017 von fmpro Ende Oktober am Flughafen Zürich bis auf den letzten Platz ausgebucht. Der Schweizerische Verband für Facility Management und Maintenance bot ein spannendes und vielfältiges Programm.

Der fmpro Instandhaltungstag beleuchtete aus verschiedenen Perspektiven die Nutzung und den Nutzen von Zustandsüberwachungsdaten und gab praktische Inputs zu Fragen wie: Wie werden Daten heute und in Zukunft genutzt? Wie geht der Kunde mit der Vielfalt der Systeme um? Und was ist notwendig, um die Datenintegration künftig zu vereinfachen?

Infrastruktur am Flughafen Zürich

Einleitend stellte Thomas Calame, Leiter Infrastruktur der Flughafen Zürich AG, oder wie er sich selbst nennt «der oberste Hauswart» des Flughafens, den Veranstaltungsort etwas genauer vor. Der Flughafen Zürich ist eine ewige Baustelle. An jedem Arbeitstag werden durchschnittlich eine bis zwei Millionen Schweizer Franken verbaut, aktuell gibt es rund 140 Baustellen. Er bietet Platz für rund 200 verschiedene Firmen, die direkt für den Flugverkehr oder für das Rundherum tätig sind.

Die Flughafen Zürich AG ist die Betreiberfirma des Flughafens und sorgt für das Zusammenspiel all dieser Firmen. In der Abteilung Infrastruktur sind rund 500 Menschen tätig. Sie stellen den Betrieb und Unterhalt der Anlagen sicher. Calame hat eine klare Strategie formuliert: Priorisieren und konzentrieren.

«Wir können gar nicht das ganze System auf top Niveau halten», sagte er. «Also müssen wir differenzieren. Was muss sofort gemacht werden, was innert 24 Stunden und was ist planbar?» Ausserdem legt er Wert darauf, sich immer auf die Lifecycle-Kosten zu konzentrieren.

Die Energieversorgung der Flugzeuge während ihrem Aufenthalt am Dock stand im Fokus der Führung

Praxisbeispiel: Nestlé

Dass Nestlé über ihre Daten spricht, hat Seltenheitswert. Am fmpro Instandhaltungstag 2017 machten Philippe Pache, IS-IT und MES E&A Manager der Nestlé Nespresso S.A. und Bernhard Bürgler, Corporate Engineer der Nestlé Suisse S.A., eine Ausnahme. Denn tatsächlich ist das Unternehmen mit sehr vielen Daten konfrontiert.

«Die Datennutzung funktioniert nur als Zusammenspiel von Mensch und Maschine», sagte Bürgler. «Natürlich sollte die Verfügbarkeit stets bei hundert Prozent sein, das ist aber nie möglich. Es gibt immer Verlustkategorien. Unsere Ressourcen sind jedoch beschränkt, also müssen wir uns auf die wesentlichen Punkte konzentrieren.» Und Philippe Pache ergänzte: «Unsere Maschinen liefern Millionen Datenpunkte, viel zu viele für einen einzigen Menschen, um diese zu analysieren. Wir möchten aber eine proaktive Instandhaltung betreiben, keine reaktive. Deshalb haben wir eine IT-Lösung im Einsatz, die automatische Reports erstellt und den gemessenen Durchfluss mit dem theoretischen Durchfluss vergleicht. Die Lösung ist eine Art Vorwarnsystem für unsere Instandhaltungsfachleute.»

Matthias Graeber, Leiter Datenentwicklung bei der Bühler Group, baut derzeit ein Team auf, das sich mit Datenwissenschaften beschäftigt. «Daten sind nur nützlich, wenn sie Erkenntnisse ermöglichen», sagte Graeber. Dem fühlte er am Beispiel der Predictive Maintenance einer industriellen Vermahlung auf den Zahn und verglich die Möglichkeiten dank IoT mit der klassischen Instandhaltung solcher Anlagen: «Neu ist, dass wir den optimalen Zeitpunkt der Wartung genau bestimmen können. Wir können Sensordaten nutzen, brauchen aber häufig die Datenanalyse, um den Wert dieser Daten greifbar zu machen.»

Geschäftsmodelle

Im Zeitalter der Digitalisierung verändern sich auch die Geschäftsmodelle. «Wie innovieren Sie eine schwarze Socke?», fragte Dr. Christoph Meister, Geschäftsführer der BGW Management Advisory Group. «Natürlich nicht unbedingt durch das Produkt, sondern durch den Vertrieb!» An diesem breit bekannten Beispiel BlackSocks zeigte Meister auf, dass es nicht mehr unbedingt Produktinnovationen braucht, sondern vor allem innovative Geschäftsmodelle.

Basierend auf der Analyse von mehr als 250 verschiedenen Geschäftsmodellen durch das ITEM-HSG wurde erkannt: 90 Prozent basieren auf Kombinationen von bestehenden und Übertragungen aus anderen Industrien. Dabei liessen sich rund 55 verschiedene Muster erkennen, die zur Anwendung kommen. An verschiedenen Plattformen zeigte Meister diese Ansätze und Vorgehensweisen bekannter Anbieter auf und lenkte dies dann auf die Themen der Maintenance. Auf diese Aspekte geht Christoph Meister übrigens in einem Fachartikel in der Ausgabe 1/2018 von „fmpro service“ näher ein.

Podiumsdiskussion

Moderiert von Philipp Glogg (Leiter Fahrzeugsysteme & Bildung bei den Basler Verkehrs-Betrieben) – stellten sich die Referenten dann einer angeregten Podiumsdiskussion. Die anschliessende Führung durch den Flughafen Zürich lenkte den Fokus der Teilnehmenden auf die Energieversorgung der Flugzeuge, während diese angedockt sind. Und abgeschlossen wurde der fmpro Instandhaltungstag 2017 wie gewohnt mit dem Austausch unter Fachleuten während dem Apéro.

Bilder: Stefan Kühnis

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