Antibakterielle Berufskleider

25. Januar 2016 in      ,

Berufskleidung mit dauerhaft antibakterieller Wirkung wird von Betrieben in hygienesensiblen Bereichen zunehmend nachgefragt.

Text: Stefan Kühnis

 

Antibakterielle BerufskleidungBetriebe der Lebensmittelindustrie fordern, dass Mitarbeiter und deren Bekleidung eine stark reduzierte Partikelabgabe im hygienesensiblen Produktionsbereich aufweisen. Auch in Operationssälen sollen möglichst wenig Staubpartikel und Bakterien verbreitet werden.

Einweg- oder Mehrwegartikel

Im Jahr 2002/2003 wurde die Norm EN 13795, 1-3 eingeführt, die die allgemeinen Anforderungen, die Prüfverfahren und die Gebrauchsanforderungen und Leistungsstufen für Operationsabdecktücher, -mäntel und Reinluft-Kleidung zur Verwendung als Medizinprodukte für Patienten, Klinikpersonal und Geräte festlegt. Die angenehm zu tragenden Baumwoll-Mischgewebe waren daher nicht mehr zeitgemäss und zulässig. Die Industrie reagierte mit Einwegartikeln, die jedoch häufig qualitative Mängel in Material und Passform, einen reduzierten Tragekomfort, eine geringe Reissfestigkeit und eine aufwändige Lagerung und Entsorgung mit sich brachten. Die Wäschereien boten bisher Mehrwegartikel aus Mischgeweben (Baumwolle und Polyester) an, die zwar einen besseren Tragekomfort aufwiesen, jedoch wegen dem Baumwollanteil mehr Partikel freisetzten, als in der Norm festgelegt war. Diese Mischgewebe wurden aus den Operationssälen verbannt und durch Gewebe aus Mikropolyester ersetzt, die kaum Partikel freisetzen. Allerdings liess der Tragekomfort von Mikropolyester noch zu wünschen übrig und es war anfällig auf Geruchsbildung und bot daher einen sehr reduzierten Hygieneschutz.

Vielfältige Herausforderungen

Die Hersteller und Dienstleister standen also vor vielfältigen Herausforderungen. Auch Jürg Affolter, Abteilungsleiter Beschaffung und Neuentwicklung sowie Leiter Q/UMS & QS der InoTex Bern AG sah sich diesen konfrontiert: «Die Verantwortlichen wussten nicht genau, wie sie die neue Norm umsetzen sollten. Viele Mitarbeiter trugen unter der Berufskleidung aus Mikropolyester weiterhin Baumwoll-TShirts, um keinen direkten Hautkontakt mit der Berufskleidung zu haben.

»Der Markt begann zu produzieren und die Anbieter verfolgten dabei ganz unterschiedliche Ansätze; jener der InoTex Bern AG war ein Garn aus spinnmassegefärbtem Polyester mit als Masterbatch eingebetteter permanent antibakterieller Funktion. Es bietet einen hohen Tragekomfort, wirkt dauerhaft antibakteriell, vermeidet Geruchsentwicklung und optimiert die Hygiene. Qualität, Verarbeitung und Farbstabilität werden laufend durch interne Qualitäts- und Waschtests geprüft, die antibakterielle Wirkung wird laufend im Prüfinstitut getestet.

Multiresistente Keime

Ein zusätzlicher Faktor, der für die Verwendung von Mehrweg-Artikeln spricht, ist die Umweltbelastung. Gemäss einer Umweltstudie, die mit einem Partner in Bern durchgeführt wurde, haben Mehrweg-Artikel fünf Mal weniger Umweltbelastungspunkte als Einweg-Artikel. «Die Mehrweg-Artikel haben durch die zahlreiche Wiederverwendung eine gute Ökobilanz», sagt Affolter. «Auch die Aufbereitung in der Wäscherei ist umweltfreundlich, unser Abwasser ist zum Beispiel normales Haushalt-Abwasser.» Mindestens genauso wichtig ist aber die antibakterielle Wirkung.
«Multiresistente Keime machen dem Gesundheitswesen das Leben immer schwerer», sagt Affolter. «Harmlose Infektionen sind plötzlich nicht mehr oder nur noch schwer heilbar. Es braucht deshalb ein komplettes Hygienesystem, um die Verbreitung von solchen Keimen zu verhindern: Die Reinigung der Böden, der Oberflächen und Geräte, die Patienten selber, die Besucher, das Klinikpersonal – man muss versuchen, das gesamte Umfeld hygienisch zu erhalten. Eine gute antibakterielle Berufsbekleidung trägt hierzu seinen Teil bei.»
Bild: InoTex Bern AG

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