Das Hospitality Management im FM

25. Januar 2016 in      ,

Wer die Frage stellt, wo genau das Hospitality Management zugeordnet werden soll, eröffnet häufig fast schon philosophische Diskussionsrunden.
Text: Stefan Kühnis

So mancher Leiter Hotellerie, dem ich begegnete, ist eigentlich eher ein Leiter

White Blank Badge on mens torsoHospitality Management. Der Leiter Hospitality Management bewegt sich aber eher im Facility Management (FM) als in der Hotellerie und Gastronomie. Auch der Verband fmpro zählt das Hospitality Management (HM) klar zum FM. Doch weshalb ist das eigentlich sinnvoll und stimmt das überhaupt?«Es ist sogar noch etwas unübersichtlicher», sagt Erika Rupp, Bereichsleiterin BFM HF / BLH FA bei der BFF Bern. «Es gibt nämlich auch Leiter Hauswirtschaft oder Leiter Ökonomie, die allesamt das gleiche machen wie die Leiter Hotellerie oder Leiter Hospitality Management. Und: Der Begriff Hotellerie wird ebenfalls ganz unterschiedlich angewendet. Ein Hotel sieht das Thema Hotellerie als Ganzes. Spitäler wiederum verstehen ganz verschiedene Teilbereiche als Hotellerie, die einen bezeichnen den Room Service so, andere die Reinigung und die Gastronomie, bei Vierten kommt noch die Wäscherei dazu. Es ist ein riesiges Begriffe-Chaos und alle meinen, sie verstünden das richtige darunter. Das hat oft auch mit der Geschichte des Hauses oder mit der persönlichen Laufbahn zu tun. Salopp gesagt: wer sich an der ZHAW ausbildete, nennt sich eher Leiter HM, wer eine Hotelfachschule absolvierte, nennt sich tendenziell Leiter Hotellerie und wer die BFF Bern abschloss, ist eher ein Leiter Hauswirtschaft, Ökonomie, aber auch Hotellerie oder HM. Generell lässt sich eines mit Bestimmtheit sagen: Hospitality Management hat immer mit Supportprozessen zu tun. In einem Spital sind diese Dienstleistungen also Teile des HM. In einem Hotel hingegen sind die gleichen Dienstleistungen nicht Supportdienstleistungen, sondern das Kerngeschäft.»

Die Norm und die Ausbildungen

Die nächste Frage: ist das HM im FM richtig aufgehoben? Der Verband fmpro orientiert sich in seinem Profil an der FM-Definition der Norm SN EN 15221-1. Im Anhang B der Norm werden exemplarisch einige Anwendungsbeispiele beschrieben. Diesen Beschreibungen lassen sich ganz leicht passende mögliche Tätigkeiten aus dem HM zuordnen, was deutlich macht, dass das HM sehr viele in der FM-Norm beschriebene Dienstleistungen umfasst. HM gehört offensichtlich zum FM, auch wenn es nicht sämtliche FM-Dienstleistungen abdeckt.In den Aus- und Weiterbildungen rund um FM wird das HM unterschiedlich stark gewichtet – vom Bachelor- und Masterstudium in FM der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) über den Studiengang Dipl. Betriebsleiter/in in Facility Management HF der BFF Bern und die eidgenössische Berufsprüfung Bereichsleiter/-in Hotellerie-Hauswirtschaft bis hin zu den verschiedenen Vorbereitungskursen auf die Höhere Fachprüfungen FML (Leiter/-in Facility Management) werden die verschiedenen Bereiche zeitlich und inhaltlich unterschiedlich gehandhabt.

Der Stellenwert und die Zukunft

Die Frage der Zuordnung stellt sich für Erika Rupp auch deshalb so oft, weil der Stellenwert des HM im Vergleich zu Immobilien, Gebäudetechnik oder Gebäudemanagement noch immer weniger ausgeprägt sei und der Begriff Hospitality Management noch weniger bekannt als der Begriff Facility Management sei. «Aus meiner Sicht hat das teilweise einen geschichtlichen Hintergrund, oft wurde FM in der Schweiz zu Immobilien- und Techniklastig verstanden», sagt Rupp. Was kann man also tun, um den Stellenwert des HM zu verbessern? «Wenn ich das Rezept hätte, hätte ich es schon lange umgesetzt», sagt Rupp. «Wir müssen informieren, uns nicht rechtfertigen und selbstbewusst auftreten. Ich gehe davon aus, dass man unsere Absolventen auch mit der erfolgten Änderung des Berufstitels zum Dipl. Betriebsleiter/-in in Facility Management HF je länger je weniger als Hauswirtschafter wahrnimmt und erkennt, dass das HM ein Teil des FM ist. Schon in den letzten 20 Jahren hat eine Professionalisierung stattgefunden und das muss so weitergehen. Man muss erkennen, dass HM vielfältige Bereiche abdeckt, die für das Gelingen eines Unternehmens sehr zentral sind.»

Bild: yurolaitsalbert / Fotalia / Fotomontage

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