Textilien im Spitalumfeld: Hygiene und Kosten

25. Januar 2016 in      ,

Als das Kantonsspital St. Gallen auf eine neue Art von Bettdecken und Kopfkissen setzte, standen zwei wesentliche Faktoren im Zentrum: Die Hygiene und die Kosten.Text: Stefan Kühnis

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«Früher hatten wir Mietwäsche», erzählt Marcel Heuberger, Leiter Hauswirtschaft & Areal sowie stellvertretender Leiter Departement Betrieb & Infrastruktur des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG). «Und wir fuhren einen sehr hohen Standard, bei 90 Prozent der Austritte wurde die Wäsche in die Reinigung gegeben. Das kostete eine Menge Geld. Also wollten wir prüfen, ob es noch andere und günstigere Wege gibt, die unseren Hygienestandard allenfalls sogar noch übertreffen.»TestphaseHeuberger startete ein Pilotprojekt mit der Kyburz Bettwarenfabrik AG, die in der Schweiz Bettdecken und Kopfkissen zu vertreiben begann. Die Oberfläche dieser Bettwäsche besteht aus Polyurethan und die Produkte bilden eine Barriere gegen Pathogene, die das Risiko bergen, für Kreuzinfektionen verantwortlich zu sein. Decken und Kissen lassen sich mit einer einfachen Wischdesinfektion reinigen. «Wir testeten zuerst die Bettdecke und dies auf nur einer Station», erzählt Heuberger. «Auf die Rückmeldungen von Patienten und Pflegefachpersonal waren wir gespannt, schliesslich musste das ungewöhnliche Produkt auch mit unserem gewohnten hohen Standard vertretbar sein. Bevor wir 1600 Bettdecken bestellten, wollten wir uns sicher sein, dass dieses Produkt auch akzeptiert wird.» Restlos begeistert waren zu Beginn nicht alle, weder unter dem Pflegefachpersonal noch unter den Patienten. «Einige Patienten konnten damit nicht gut schlafen, es raschelt ein bisschen und manche schwitzten stark. Aber mehrheitlich waren die Rückmeldungen sehr positiv», sagt Heuberger. «Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig und ich würde zu Hause wohl eher nicht permanent damit schlafen. Aber wir sind ein Gesundheitsbetrieb, da nimmt die Einhaltung höchstmöglicher Hygienevorgaben eine sehr grosse Bedeutung ein.»Sogar Toni Gmeiner von der Kyburz Bettwarenfabrik AG hatte zu Beginn seine Zweifel am Produkt, insbesondere bezüglich Schlafkomfort: «Selbsttests und die Tests bei diversen Kunden liessen diese Zweifel aber rasch verfliegen. Die Resonanz war überraschend positiv, der Schlafkomfort war gegeben und die Vorteile in Bezug auf Hygiene und Kostenreduktion sorgten für viel Gesprächsstoff», erzählt er.Diese zwei Argumente wogen auch für das Kantonsspital St. Gallen am stärksten. Etwa zwei Jahre nach der Einführung der Bettdecken schaffte das KSSG sich dann auch die Kopfkissen an – nachdem es nach einer weiteren Testphase zusammen mit Kyburz noch einige Verbesserungen wie beispielsweise eine zweite Membran und Daunenfeder-Füllung nach Kyburz-Standard anregte.Keime und KostenDen Tests des irischen Herstellers in Sachen Keime und Hygiene liess Heuberger zusammen mit Kyburz noch eigene Tests folgen, die eine Reduktion der Bakterien um 99,99 Prozent ergaben. Und Heuberger wollte ausserdem die Kosteneinsparungen noch genauer beziffern können. Diese hätten zwar stark mit dem Standard zu tun, den ein Spital davor pflegte, und noch wisse er nicht, wie lange die neuen Produkte tatsächlich halten. «Doch wenn wir von einer Dauer von zwei bis vier Jahren ausgehen, dürften die Einsparungen gegen hunderttausend Franken pro Jahr betragen», rechnet er vor. «Wenn wir also die Hygienevorgaben so noch besser einhalten und gleichzeitig sogar Kosten einsparen können, gibt es für uns keine bessere Lösung.»Bild: Kantonsspital St. Gallen

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